Rivalen im Revier: Eine Geschichte der Haubentaucher

Ein wunderbarer Sommertag im Juni. Ich sitze am Ufer und genieße die Stimmung am Wasser, als eine Familie Haubentaucher (Podiceps cristatus) – liebevoll auch „Haubis“ genannt – auftaucht. Schon lange wollte ich sie fotografieren, denn ich weiß: In den ersten Wochen tragen die Eltern ihre Jungen auf dem Rücken. Die Familie hält sich aber recht weit draußen auf, am Rand dessen, was mein Objektiv noch einfängt – die Bilder werden dadurch nicht ganz scharf, aber die Szene ist zu schön, um sie nicht festzuhalten.

Dann, nur wenige Meter vor mir, ändert sich alles: Ein Rivale taucht auf. Ich halte nur noch drauf, schieße im Serienmodus – und komme am Ende mit über 250 Bildern nach Hause. Diese Bildserie erzählt die Geschichte dieser einzigen Begegnung: vom friedlichen Familienalltag über einen heftigen Revierkampf bis zur zärtlichen Begrüßungszeremonie des Paares. Weitere stimmungsvolle Naturaufnahmen findest du in der Bildergalerie, mehr Wissenswertes zur Art bietet das Vogelporträt beim NABU.


Familienalltag auf dem Wasser

Ein Elternteil trägt die frisch geschlüpften Küken im weichen Rückengefieder – ein Kinderzimmer auf dem Wasser, das vor Kälte und Fressfeinden schützt. Zwischen kurzen eigenen Schwimmversuchen kehren die Jungen immer wieder dorthin zurück. Sobald ein Haubi mit Beute auftaucht, herrscht reges Treiben: Die ersten Küken schwimmen bereits selbstständig heran, um ihren Anteil am frisch gefangenen Fisch einzufordern.

Haubentaucher schwimmt mit Küken auf dem Rücken.
Rückentaxi für den Nachwuchs.
Haubentaucher mit Fisch im Schnabel, zwei Küken schwimmen daneben.
Zurück vom Fischzug bei der Familie.

Balzrituale: Federn als Liebesbeweis

Haubis pflegen ein ungewöhnliches Ritual: Sie fressen selbst Federn und füttern sie auch ihren Küken. Die Federn bilden im Magen ein Polster, das die Schleimhaut vor scharfen Fischgräten schützt. Im vollen Prachtkleid – mit aufgestellter Federhaube, Ohrbüscheln und rostroter Halskrause – wird das Ritual zugleich zur eindrucksvollen Zurschaustellung.

Haubentaucher im Prachtkleid mit Feder im Schnabel, Kopfschmuck deutlich sichtbar.
Die Feder, kurz vor der Übergabe.
Haubentaucher füttert Küken mit einer Feder.
Übergabe geglückt.

Ein Rivale betritt das Revier

Die Ruhe währt nicht lange: Ein fremdes Männchen nähert sich dem Revier. Der Revierinhaber richtet sich auf und plustert seine Halskrause vollständig auf – ein deutliches Signal, dass er sein Revier verteidigen wird. Doch wird die Drohgebärde reichen?

Haubentaucher-Männchen in Drohhaltung mit aufgestellter Halskrause.
Warnsignal an den Eindringling.

Der Haubentaucher-Revierkampf eskaliert

Die Drohgebärde zeigt keine Wirkung. Kurz darauf prallen beide Männchen aufgerichtet aufeinander – der Beginn eines intensiven Nahkampfs, bei dem sich Flügel und Beine ineinander verkeilen. Wer wird sich durchsetzen? Ich halte nur noch den Auslöser gedrückt, so schnell geht das alles.

Zwei Haubentaucher-Männchen prallen aufgerichtet im Wasser aufeinander.
Der Moment des Aufpralls.
Zwei Haubentaucher ineinander verkeilt im Wasserkampf.
Wer wird der Stärkere sein?
Zwei Haubentaucher Schnabel an Schnabel, rote Augen deutlich sichtbar.
Auge in Auge mit dem Rivalen.

Schnabel an Schnabel ringen die beiden Rivalen um die Vorherrschaft im Revier. Seit ich die Bilder bearbeitet habe, weiß ich auch: Haubentaucher haben leuchtend rote Augen – im Moment des Kampfes selbst war mir das gar nicht aufgefallen. Schließlich gelingt es dem Verteidiger, seinen Gegner mit verschränktem Schnabel immer wieder unter Wasser zu drücken. Als ich das beobachtete, hatte ich ehrlich gesagt Angst um den Unterlegenen – gefühlt eine Ewigkeit blieb er unter der Wasseroberfläche, der Revierinhaber ließ ihn aber nicht hochkommen. Langsam beschleicht mich als Beobachterin die Sorge, dass er das nicht überleben wird.

Haubentaucher drückt Rivalen mit dem Schnabel unter Wasser.
Die Oberhand behalten.
Haubentaucher taucht mühsam auf, wird erneut untergedrückt.
Kein Entkommen.

Geschlagen und erschöpft

Nach etwas Recherche weiß ich: Haubentaucher können bis zu 45 Sekunden tauchen (NABU). Und sobald der Unterlegene klein beigibt, seitwärts abtaucht und flieht, lässt der Sieger von ihm ab – das verhindert, dass solche Kämpfe tödlich enden. Durchnässt und erschöpft zieht sich der Verlierer aus dem Revier zurück.

Erschöpfter, unterlegener Haubentaucher nach einem Revierkampf.
Der Rückzug.

Begrüßungszeremonie des Siegerpaares

Doch wie reagiert die Partnerin auf diesen Ausgang? Kaum ist der Rivale vertrieben, wendet sich das Paar wieder einander zu. Mit gestreckten Hälsen und sanft gekreuzten Schnäbeln erneuern die beiden Haubis in einer berührenden Zeremonie ihre Paarbindung, während das Weibchen die Küken weiterhin sicher im Rückengefieder trägt – ein friedlicher, berührender Ausklang nach einem bewegten Nachmittag am Wasser.

Zwei Haubentaucher mit gestreckten Hälsen in Begrüßungszeremonie.
Wieder vereint.

Nachwort

Erst bei der Bearbeitung am Bildschirm zeigt sich, was ich im Moment selbst gar nicht wahrnehmen konnte: das Zebramuster der Jungen, die leuchtend roten Augen, wie die Schnäbel im Kampf ineinander verkeilt waren. So viele Details, die dem bloßen Auge verborgen bleiben – das fasziniert mich jedes Mal aufs Neue.

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© Sabine Kiefer – Naturfotografie | Alle Bilder und Texte sind urheberrechtlich geschützt.

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